Westpommern im Überblick

Das polnische Westpommern - immer eine Reise wert


an image Mit dem Jahresbeginn 1999 trat in Polen eine Neuordnung der innenpolitischen Einteilungen in Kraft. Seither ist der Staat in 16 Woiwodschaften (województwo) eingeteilt, die jedoch im Gegensatz zu den deutschen  Bundesländern lediglich einen Selbstverwaltungscharakter haben. Sie alle sind Warschau als der Hauptstadt des Zentralstaates Polen unterstellt.


Die Vorteile der Woiwodschaft Westpommern

Die Woiwodschaft, mit der sich dieser Ratgeber auszugsweise befasst, ist Zachodnio Pomordskie (Westpommern) im Nordwesten des Landes. Sie erstreckt sich annähernd innerhalb der Grenzen des ehemaligen deutschen Hinterpommern. Von Swinemünde im Nordwesten entlang der deutsch-polnischen Grenze bis südlich von Stettin, dann Richtung Osten vorbei an Stargard und Schivelbein, um dann in einem Bogen unter Einschluss von Köslin wieder an der Ostseeküste anzukommen - das ist das Gebiet unseres Länderportraits.


Kurze Anreise

Wer sich die geographische Lage vor Augen führt, sieht schnell, dass sämtliche Orte nur den berühmten Katzensprung von Deutschland entfernt liegen - von Berlin aus sind es nur etwa 300 Kilometer. Das ist einer der Gründe dafür, dass sich immer mehr Urlauber für diesen Teil Polens entscheiden. Das hat einmal finanzielle Ursachen, aber auch die Abneigung vor Flugreisen seit dem 11.09.2001 spielt eine wichtige Rolle. Überdies sind lange Reisen speziell für Familien mit Kindern sehr strapaziös.


Traumhafte und abwechslungsreiche Landschaften

Die Urlauber in Westpommern werden wahrlich nicht enttäuscht. Denn auf relativ überschaubarem Raum findet man pulsierendes Großstadtleben und beschauliche Ruhe, mondäne Badeorte und stille Buchten, beeindruckende Kliff-Formationen und stille Seen.


Wasser als  d e r  Publikumsmagnet

Bekanntlich zieht eine jede Meeresküste immer viele Besucher an - zu groß ist hierzulande der Prozentsatz derer, die im Alltag keine Gelegenheit haben, auch nur einen Blick auf das Meer zu werfen. Davon abgesehen übt Wasser allgemein eine besondere Anziehungskraft auf uns Menschen aus. Dem allen wird Westpommern mehr als gerecht, denn es bietet eine Menge an Binnen- und Küstengewässern. Da hat man die Qual der Wahl, ob man sie nur still genießen oder für sportliche Aktivtäten nutzen will.


Wassersport allerorten

Denn diese werden hier in Polen ganz groß geschrieben. Vor allem der Segelsport ist mittlerweile sehr beliebt, und entsprechend vielfältig sind die Möglichkeiten für die sportbegeisterten Urlauber. Auch Kanu- und Kajakfahrten sind auf den Flüssen Westpommerns möglich; da hier das Gefälle aber nicht so enorm ist wie im Gebirge, gestalten sich diese Fahrten eher ruhig. Noch beschaulicher geht es mit dem Ruder- oder Paddelboot. An den Fluss- und Seeufern in Westpommern gibt es zahllose Möglichkeiten, ein Boot für ein paar Stunden oder auch für mehrere Tage zu mieten.


Perfekte Gastgeber in Westpommern

Da der Tourismus speziell in der Küstenregion Westpommerns eine lange Tradition hat, konnten die Polen nach dem Zusammenbruch des Sozialismus auf einem beachtlichen Know-how aufbauen. Es galt jedoch, das Wissen der Vorväter den stark gewandelten Bedürfnissen der modernen Urlauber anzupassen. Da die Polen ein ungeheuer gastfreundliche Menschen sind (nicht umsonst gilt hier der Spruch "Gast im Haus - Gott im Haus") und sich zudem schnell neuen Anforderungen anpassen können, ist in den letzten Jahren speziell in Westpommern ein wahres El Dorado für Reisende entstanden: Herzliche Gastlichkeit auf hohem Niveau - gepaart mit attraktiven Freizeitangeboten. 


Deutsch-Polnische Beziehungen

Die Woiwodschaft Westpommern  besitzt zwar eine vergleichsweise lange Ostseeküste, aber der grenznahe Abschnitt umfasst lediglich drei Landkreise: die mit den Hauptstädten Police, (Pölitz), Gryfino (Greifenhagen) und - mit nur einem kurzen Grenzabschnitt zu Brandenburg - Myslibórz (Soldin).

In vielen polnischen Städten, und das nicht ausschließlich in Westpommern, gibt es Zeugnisse deutsch-polnischer Zusammenarbeit - in den grenznahen naturgemäß in besonderem Maße. An dieser Stelle greifen wir zwei besonders markante Fälle heraus, die den Rahmen der später folgenden Ortsbeschreibungen sprengen würden.

Der Park Krajobrazowy Dolina Dolnej Odry (Landschaftsschutzpark Unteres Odertal) ist ein Paradebespiel für gelungene länderübergreifende Zusammenarbeit in Westpommern. Er liegt zwischen Widuchowa (Fiddichow), Gryfino (Greifenhagen), Szczecin (Stettin) und Kolbaskowo (Kolbitzow), und zwar zwischen zwei Oderarmen.

Daran lässt sich bereits erahnen, dass es sich bei diesem Naturpark - einem von vielen in Westpommern übrigens - um ein wasserreiches Gebiet handelt. Zwischen den beiden Weltkriegen unternahm man große Anstrengungen, diese Region so weit trockenzulegen, dass man sie landwirtschaftlich nutzen konnte. Leider ohne Erfolg. Denn hier kam es immer wieder zu Überschwemmungen, derer man auch durch Kanäle und Abwasserläufe nicht Herr werden konnte. Nach 1945 gab man schließlich die ohnehin vergeblichen Bemühungen auf und überließ die Region sich selber - mit einem verblüffenden Ergebnis. Denn recht schnell bildete sich ein überraschender Reichtum an Wasser- und Schilfpflanzen, und auch seltene Vorgelarten siedelten sich hier an.

Die Gründung dieses einzigartigen Geländes ist zwei Professoren zu verdanken, die aus Berlin und aus Stettin in Westpommern stammen. Schon frühzeitig hatten sie die Idee einer länderübergreifenden Ausformung; dieses Konzept erhielt 1990 den deutschen Kulturpreis  und nahm 1993 tatsächlich Gestalt an. Inzwischen ist der Landschaftsschutzpark auf die stolze Größe von 6000 Hektar angewachsen. Sein deutsches Gegenstück geht in den Teil von Westpommern über; die Fläche dafür war schon lange geplant.

Insgesamt hat man im Park 427 unterschiedliche Pflanzenarten gezählt; ob nicht noch einige verborgen sind oder sich neu ansiedeln, ist nicht bekannt. Auch die Tierwelt findet hier ein wahres Paradies. Besonders seltene Vogelarten, aber auch Fische, Otter und Biber, Fledermäuse und Marder leben hier nahezu ungestört.

Erfreulicherweise steht der Landschaftspark in Westpommern auch Besuchern offen. Es gibt sogar die Möglichkeit zum Wassersport, selbstverständlich auch zum Wandern und Radfahren. Dass die Interessenten dabei ausschließlich auf den vorgezeichneten Wegen bleiben müssen, versteht sich von selbst. Bei Gryfino (Greifenhagen) ist zudem eine Anlegestelle für Kanadier eingerichtet, in denen die Besucher auf eine spannende und interessante Tour gehen können. Und nicht zu vergessen das didaktische Angebot, das speziell Lehrern und ihren Schulklassen offensteht. Daneben gibt es für jedermann spannende Lehrpfade, lauter Aktivitäten, die weit über die grenzen Westpommerns bekannt sind.

Ebenfalls im Powiat Gryfinski in Westpommern (Landkreis Greifenhagen) hat sich ein weiteres deutsch-polnisches Projekt entwickelt, allerdings auf einer völlig anderen Ebene: In dem kleinen Dorf Stare Czarnowo (Neumark) wurde im Juli 2006 ein großer deutscher Soldatenfriedhof eingeweiht. Hier finden die im Zweiten Weltkrieg in Polen gefallenen deutschen Soldaten ihre letzte Ruhestätte.

Zwar entstand dieser Friedhof auf Initiative des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge, hätte aber selbstverständlich ohne die Unterstützung durch Polen und speziell Westpommern niemals Realität werden  können. Nicht allein dadurch, dass der Staat ein großes Gelände zur Verfügung stellte, bewies er seine Verbundenheit zum Schicksal der Deutschen, sondern auch bei der Anlage des Friedhofs selbst arbeiteten deutsche und polnische Soldaten gemeinsam.

Insgesamt bietet der Friedhof Platz für über 32.000 Grabstätten. Noch sind längst nicht alle Toten umgebettet. Ein großes hölzernes Kreuz dient als Mahnmal, und im Informationsgebäude liegen Bücher mit den Namen sämtlicher in Polen gefallenen deutschen Soldaten aus; es ist fast eine halbe Million.

Der Volksbund hat es sich zum Ziel gesetzt, auch die Jugend - beider Nationen übrigens - für diese Thematik zu sensibilisieren und führt entsprechende Freizeitlager durch. Und Soldaten beider Staaten wirken gemeinsam bei Arbeitseinsätzen speziell zur Grabpflege.